28.09.2003 - Durch's Kaokoveld

Die Fahrt geht noch weiter in Richtung Norden bis irgendwo vor Kaoko -Otavi. Wir überqueren den Huarusib ein paar mal und kommen in das Land der Ovahimbas. Das Gelände ist schwierig und wir kommen nur langsam voran. Übernachtung in Zelten.

Der Tag beginnt für uns recht Früh. Um 6:40 Uhr stehen wir auf und bereiten uns auf die Abreise vor: "the same procedure as every day...". Wir haben einen weiten Weg durch das unwirtliche Kaokoveld vor uns.

Bei der Abfahrt werden wir von einer großen Gruppe Straußen begleitet. Seltsame Vögel: als wir uns etwa auf gleicher Höhe mit ihnen befanden setzte sich die Gruppe in Bewegung. So schnell wir auch fuhren, sie versuchten noch schneller zu sein. Es ist ein malerisches Schauspiel, daß uns hier zum Abschied geboten wird. Nach einer kurzen Zeit des unentschiedenen Wettkampfes, überholte uns die Gruppe und überquerte die Piste. Kaum auf der vermeintlich sicheren Seite angekommen, führten die Männchen seltsame Tänze auf. Sie wedelten mit den Flügen, drehten sich im Kreis und fielen dabei auch mal auf den Schnabel! Die Straußendamen beobachteten dieses Schauspiel mit Interesse, offensichtlich versuchten die Herren ihren Damen zu imponieren, indem sie das seltsame staubende Wesen überholten.

Wir fahren durch eine trockene, braune Hochebene. Kein Baum, kein Strauch lockert das triste Bild auf. Selbst Gräserhaben sich hier rar gemacht. Kaum zu glauben, daß wir hier immer noch Oryx-Antilopen, Bergzebras und Springböcke antreffen. Es ist unvorstellbar, wie gut sich die Tiere an die harten Bedingungen der Wüsten angepaßt haben.

Wir passieren das Khumib Revier, das bedeutet so viel wie kleines Revier. Kaum haben wir das Revier erreicht, entdecken wir die nächsten Giraffen. Zunächst sind es drei ausgewachsene Tiere. Bei einer kleinen Pirsch sichten wir dann noch weiter sechs. Drei der Giraffen sind dunkel gezeichnet, während die anderen so hell aussehen, wie die Tiere, welche wir an den vorherigen zwei Tagen gesehen hatten. Wir halten uns nicht lange auf, einerseits, da wir noch einen langen Weg vor uns haben und andererseits ist zu erwarten, daß wir spätestens im Etoscha-Nationalpark noch mehr zu sehen bekommen.

Auf dem Weg in Richtung Orupembe passieren wir eine Ebene, die mit unglaublichen Felsformationen gesäumt ist. Die Felsen sind zu unglaublichen Formen erodiert. Beinahe fühlen wir uns in einen Zoo der Giganten versetzt. Wir erkennen Robben, Haie, Elefanten und viele, viele andere Tiere. Direkt am Wegesrand machen wir einen kurzen Stop, um uns einen "steinernen Dachs" näher anzusehen. Sand, Wind und Wasser haben sich hier als Künstler beim Formen dieser Figur betätigt. Leider sitzt uns auch hier die Zeit im Nacken und treibt uns vor sich her...

Durch wildes Gelände bewegen wir uns unaufhörlich weiter nach Norden, Richtung Kaoko Otavi. Wir erklimmen die große Randstufe bis auf eine Höhe von ca. 888 Metern über NN und fahren durch eine sehr einsame Gegend. Begegnet man anderswo im Land vielleicht noch einem oder zwei Fahrzeugen, so kann man hier von Glück reden, wenn man überhaupt einen Jeep trifft.

Es ist ein eigenartiges Gefühl: diese vollkommene Einsamkeit, welches noch durch die gnadenlose Hitze verstärkt wird. Vierzig Grad im Schatten und 10% Luftfeuchtigkeit locken uns wahrlich nicht ins Freie. Hier ist Grün eine kaum noch vorkommende Farbe. Die Bäume tragen kaum noch Laub, die einzigen grünen Farbtupfer setzen Kandelaber-Euphorbien in die Landschaft.

Es fällt mir schwer, die Landschaft zu beschreiben. Langgezogenen Felsmassive zerfurchen das Land. Steile Anstiege und staubige Schotterpisten lassen uns nur langsam vorankommen. Hoffentlich halten die Reifen durch, denn auf Hilfe kann man hier unter Umständen lange warten.

Nach einigen Stunden treffen wir dann endlich wieder auf die Spuren menschlicher Zivilisation. Wir fahren an zwei kleinen Dörfern vorbei, sehen Rinder und Ziegen. Im Halbschatten eines kleinen Baumes zelebrieren wir unser Mittagspicknicklunch und fahren dann schnell weiter.

In der Nähe eines Krals bei Otjiu treffen wir auf ein Gruppe von Himba-Frauen und Kindern. Neugierig werden wir bestaunt, wie auch wir fasziniert von den Anderen sind. Die Kinder bekommen ein paar Süßigkeiten und ein alter Mann Tabak und Streichhölzer. Wilfried schlägt uns vor, daß wir ein paar Fotos von der Gruppe machen, doch irgendwie empfinden wir das als störend. Wir kämen uns dabei wie im Zoo beim Ablichten der Tiere vor, so daß wir stattdessen die Anwesenden beobachten.

Während ich in der Karte des Kaokoveldes blättere, nähern sich vorsichtig drei junge Frauen. Auch sie scheinen Interesse an der Karte zu haben und versuchen einen Blick auf diese zu erhaschen. Ihr Interesse hat offensichtlich ein Foto auf dem Äußeren Blatt geweckt zu haben. Auf diesem ist eine Himbafrau mit ihrem Kind abgebildet. Beinahe hatten wir den Eindruck, daß sie diese kennen würden. Schade, daß wir uns mit diesen Menschen nicht verständigen konnten. Hier ist wohl niemand des Englischen mächtig.

Wir haben unser Tagesziel im Nirgendwo bald erreicht. Abseits der Piste, am Rande eines Trockenflusses schöagen wir unsere Zelte auf. Es ist sehr windig, so daß wir den Windschatten einiger großer Palmen und Sträucher suchen. Wir sammlen etwas Schwemmholz zusammen und genehmigen uns einen zünftigen Kaffee.

Bei der Holzsuche und dem Zusammentragen von Steinen für die Feuerstelle finden wir eine Handvoll Stachelschweinborsten, die wir flugs zu Reisetrophäen erklären. Während wir uns häuslich einrichteten wurden wir unbemerkt von einer Gruppe Kindern beäugt. Nach wenige Minuten waren sie auch wieder verschwunden. Beim Sundowner wenig später vermutete Wilfried dann, daß wir sicherlich am nächsten Morgen noch Besuch vom "Chef" bekommen würden. Wir werden sehen...

Der Abend klang wie gewohnt mit einem ausgiebigen Lunch aus.

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