Über Solitaire, Gaub- und Kuiseb-Canyons geht es heute in den Namib Naukluft Park mit eventuellem Abstecher zu dem sogenannten Martin/Korn Shelter benannt nach zwei jungen Deutschen Geologen die sich dort während des zweiten Weltkrieges versteckt hielten. Nach einem "Picknick Lunch" geht die Fahrt weiter über Ganab bis Swakopmund. Unterwegs besichtigen wir noch die Welwitschia Pflanzen und werfen einen Blick auf die sogenannte "Mondlandschaft".Übernachtung in einer Pension mit Frühstück.
Die nächste Etappe unserer Safari ist Swakopmund. Wir brauchen uns heute nicht so sehr beeilen, so daß wir
erst um 7 Uhr 30 aufstehen und gemütlich unser Frühstück, bestehend aus Schinken und Eiern zu zelebrieren.
Vor wenigen Wochen, auf einem vietnamesischen Forschungsschiff, hatten wir uns zwar geschworen: nie wieder
Ham and Eggs zum Frühstück, doch die Zeit heilt alle Wunden.
Der Morgen ist wieder sehr kühl, so daß wir die Scheiben des Rovers geschlossen lassen. Vorbei geht es an
"versteinerten Dünen" und malerischen Bergzügen in Richtung Gaub Pass.
In "Solitaire City" halten wir an einer Tankstelle mit angeschlossenem Shop und sehen uns in den
Räumlichkeiten um. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: Bücher, Ansichtskarten und Lebensmittel - auch
einen Imbiß kann man hier zu sich nehmen. Während Wilfried tankt, stöbern wir in den Bücherregalen und
amüsieren uns über das Ambiente dieses Etablissiments. Überall steht irgendwelcher KrimsKrams in den Ecken
herum: alte Haushaltsgegenstände, Geschirr und vorsintflutliche Nähmaschinen finden sich hier ebenso wie
diverse präparierte Wüstenbewohner. Die Typen hinter dem Tresen scheinen einem amerikanischen Roadmovie
entsprungen zu sein. Es fehlt nur, daß ein sonnenbebrillter, wohl genährter Cheriff zur Tür hereinkommt,
um uns Fremdlingen Ärger zu machen...
Auf unserem Weg in Richtung Martin Korn Shelter begegnen uns Vierbeiner, die wir an dieser Stelle nie
erwartet hatten: einige Dromedare. Es ist gut möglich, daß die Wüstenschiffe Nachfahren der Reittiere der
deutschen Schutztruppen sind - es ist allerdings auch möglich, daß sie für die Bespaßung von Touristen
eingeführt wurden.
Wir sind an der Ostseeküste, in Rostock Warnemünde zu Hause und deshalb ist simpler Wegweiser ein Foto
wert: wir bannen das Hinweisschild zum Rostock Ritz auf unseren Film. Das Rostock Ritz ist eine
beliebte Lodge für gehobene Ansprüche und verdankt ihren Namen der gleichnamigen Farm. Diese wiederum erhielt
ihren Namen, da sich auf Ihrem Gelände der Berg Rostock befindet. Na ja, eigentlich ist der richtige name
ja Rotstock, doch bei der Eintragung in irgendeinem Kataster in grauer Vorzeit fiel wohl ein "t" der
Mittagshitze zum Opfer. Gern hätten wir uns dort mal ein wenig umgesehen, doch die Zeit war wie immer
viel zu knapp.
Die Landschaft ist jetzt nicht mehr so abwechslungsreich wie zuvor, doch trotzdem kommt keine Langeweile
auf. "Alle Nase lang" treffen wir auf Straußen, Oryx und Springböcke. Das ändert sich erst wieder, als wir
in den Canyon des Kuiseb fahren. Von einer Bergkuppe haben wir einen wunderbaren Ausblick in die schroffe
Gebirgswelt rund um den Canyon. In etwa einem Kilometer machen wir einige graue Punkte auf dem nackten
Fels aus - es sind sieben Hartmann Bergzebras.
Die grauen Felsrücken der Berge sind sind von dunkleren beinahe parallelen Streifen durchzogen. Auf den
ersten Blick wirkt die Szenerie, als hätte hier ein Riese seinen Ochsen angespannt und die Bergwelt gepflügt.
Auf steilen Serpentinen fahren wir hinunter zum Flußbett. Unten angekommmen sehen wir die Spuren der Verwüstung,
die der reißende Kuiseb in der Regenzeit verursacht hat. Ursprünglich war hier an der tiefsten Stelle des Flußes
ein Rastplatz mit festen Toilettenhäuschen und steinernen Tischen installiert worden. Die Fluten des Flusses
haben hier ganze Arbeit geleistet und beinahe alles restlos weggespült. Auch von den hier ursprünglich wachsenden
Bäumen ist nichts mehr zu sehen.
Beinahe wären wir an einem im Schatten einer Felswand versteckten Bergzebra vorbeigefahren. Iris hat es
glücklicherweise doch gesehen und wir haben es uns dann aus der Nähe ansehen können. Iris und Jan
gehen langsam auf das Zebra zu, ohne daß es Anstalten macht zu fliehen. Erst als wir bemerken, daß es
unruhig zu werden beginnt, bleiben sie stehen. Durch die Ferngläser erkennen wir dann auch den Grund für
die scheinbare Zutraulichkeit des ansonsten scheuen Tieres: der rechte Hinterlauf scheint verletzt zu sein.
Wahrscheinlich war das Bein gebrochen. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es irgendeinem
Raubtier oder Hunger und Durst zum Opfer gefallen ist.
Nachdem wir den Canyon passiert haben, weist uns ein Schild den Weg zum Martin Korn Shelter. Dieser
Ort verdankt seinen Namen den beiden Deutschen Henno Martin und Hermann Korn. Diese beiden Geologen
haben sich während des zweiten Weltkrieges mehr als zwei Jahre Jahre in der Namibwüste versteckt,
um der Internierung durch die Südafrikaner zu entgehen. Dieser Ort am Kuiseb war die erste Station
ihrer Wüstenodyssee.
Im Schatten eines Felsüberhanges hatten sie sich "häuslich eingerichtet" und fanden Schutz vor der
glühenden Sonne und kalten Winden. Auch wir nutzen diesen Ort, um uns ein wenig im Schatten auszuruhen.
Der weitere Weg führt durch eine immer karger werdende Gegend. Haben wir die Namibwüste bisher nur
als Sandwüste kennengelernt, so zeigt sie hier ein ganz anderes Gesicht. Statt Sand wird das Bild der Wüste
hier durch Schotter und Kies geprägt. Die Wüste ist hier flach wie ein Handtuch.
Diese Eintönigkeit und die Hitze des Tages machen uns schläfrig und wir sehnen uns nach der Ankunft in
Swakopmund. Hier erwartet uns eine kühle Briese vom Atlantischen Ozean. Bis dahin haben wir allerdings noch
einige Kilometer vor uns.
Unser Mittagspicknick halten wir am Springbockwater ab. Als wir uns dem künstlichen Wasserloch nähern schrecken
wir eine Warzenschweinfamilie auf, die sich gerade am Wasserloch erfrischt hatte. Aus der Ferne schießen wir
auf sie - mit unseren Fotoaparaten. Nicht weit von der Quelle wartet eine große Gruppe Strauße darauf, daß wir
die ungebetenen Gäste uns endlich "aus dem Staub" machen. Im Schatten der Bäume suchen einige Oryx Schutz vor
der Hitze.
Wir fahren zum Picknickplatz und packen unsere Verpflegung im Schutz einer Akazie aus. Endlich haben wir
mal wieder die Gelegenheit unsere müden Glieder zu strecken und ein paar Schritte zu gehen.
Wenige Meter von uns entfernt streckt ein neugieriges Erdhörnchen seine putzige Nase aus dem Erdloch.
Während wir unser Mittagsbrot essen, entdecken wir immer mehr Oryx, aber auch Springböcke, die sich
im Schatten der Akazien versteckt haben oder sich auf dem Weg zur Wasserstelle befinden.
Und über allem liegt eine wohltuende Ruhe, kein Geräusch ist zu hören.
Nachdem wir unsere Kräfte aufgetankt hatten, fuhren wir zurück auf die Pad in Richtung Swakopmund.
Es hatte den Anschein, als würden die Strauße bereits auf uns warten. Sie warteten auf der rechten Seite
der Piste und plötzlich, als wir beinahe an ihnen vorbei waren begannen sie zu rennen. Je schneller wir
fuhren, desto schneller rannten auch sie. Nach wenigen hundert Metern rannten sie vor unserem Rover
quer über die Piste auf die andere Seite der Strecke. Dort wurden sie dann langsamer und blieben
zurück. Dieses Verhalten wirkte so irrational. Beinahe schien es uns als wollen sie uns sagen: Ätsch,
wir sind doch schneller als eure Blechkiste! Eine sehr wahrscheinliche Erklärung für dieses Verhalten
fanden wir einige Tage später heraus, doch dazu später mehr.
Ein Muß für alle Reisenden die nach Swakopmund kommen ist die sogenannte Mondlandschaft wenige Kilometer
vor dem beliebten Badeort. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch eine karge Ebene, in der kaum ein Baum oder
Strauch wachsen. In der Ferne sehen wir eigenartig gefärbte Berge. Die Farbe der Felsen ist sehr
unterschiedlich: manche sind grau, andere wiederum sehen aus wie verschneite Alpengipfel. Und wie von Menschenhand
gezogen verlaufen Kilometerlange schwarze Streifen auf den Kämmen der Bergrücken: sogenannte Doleritgänge.
Die Doleritgänge entstanden, als glühendes Magma aus dem Erdinnern aufstieg und Felsspalten ausfüllte. Dieses
Gestein ist wesentlich härter als der umgebende Fels, so daß sie auch als letztes Verwittern. Zurück bleiben eben
diese weit sichtbaren Streifen in der Landschaft.
Plötzlich bemerken wir etwas sehr Merkwürdiges neben der Pad. Aus der Ferne wirken es wie Riesenspinnen aus
einem Horrorfilm. Bei näherer Betrachtung zeigte sich, daß es sich um eine der merkwürdigsten Pflanzen der
Welt handelt: die Welwitschia Mirabilis. Diese Pflanze ist hier im Süden Afrikas endemisch, das heißt sie kommt
nur hier und sonst nirgendwo auf der Welt in freier Natur vor. Die Pflanze wurde nach einem Österreichischen
Botaniker benannt, der sie als einer der ersten Wissenschaftler beschrieben hatte.
Die Welwitschia ist eine entfernte verwandte der gemeinen Kiefer. Der Stamm hat sich zurückgebildet und
befindet sich unter der Erdoberfläche. Aus diesem Stamm wachsen zwei überdimensionale Blätter, die sich
im Laufe der Zeit durch Wettereinflüsse aufspalten und zerfasern. Im Schatten dieser eigentümlichen
Gewächse verbergen sich verschiedene Käfer und Ameisenarten. Auch eine Wanze hat diese Pflanze als
Mittelpunkt ihres Lebens entdeckt. Auch diese Wanze kommt nur in der Umgebung der Welwitschia vor, ist
endemisch.
Natürlich haben wir versucht diese Pflanze und das Leben um sie herum im Bild festzuhalten, bevor wir
weiterfahren.
Wir fahren zielstrebig weiter durch die Ödnis und warten darauf, endlich die Mondlandschaft kennenzulernen.
Im Reiseführer hatte wir bereits Fotos dieser Landschaft gesehen und können uns kaum vorstellen, hier
etwas derartiges zu entdecken. Doch plötzlich und unbemerkt, es ist wie im Theater wenn der Vorhang aufgeht,
stehen wir vor der bedrückenden Kulisse der Mondlandschaft.
Man fühlt sich hier wirklich beinahe wie auf dem Mond, so tot und unwirklich erscheint die Gegend hier.
Verstärkt wir dieser Eindruck noch durch die Stille und die Hitze des Nachmittags.
Auf unserem weiteren Weg treffen wir noch auf verschiedene Spuren aus der jüngeren Geschichte Namibias:
verrostete Glieder einer Panzerkette und die Reste eines Eisenerz-Tagebaus.
Wir nähern uns Swakopmund und das Erste was uns auffällt ist etwas, das wir nicht sehen: Martin Luther.
Bis vor etwas mehr als einem Jahr stand das gleichnamige Dampfroß aus der Südwesterzeit, quasi als
Denkmal für die Hartnäckigkeit der deutschen Siedler, vor den Toren der Stadt. Der Zahn der Zeit hat so
sehr an dem Dampfross genagt, daß es höchste Zeit war, ihm eine Restaurierung zukommen zu lassen.
Wilfried macht mit uns noch eine kleine Stadtrundfahrt durch den Ort bevor er mit uns zum Gästehaus
Secret Garden fährt. Es ist endlich geschafft!!!
Den Abend und den nächsten Tag haben wir ganz für uns allein. Es ist auch mal schön nach sechs Tagen
in einer, wenn auch kleinen, Reisegruppe.
Ich hatte ja die Vorstellung nach langer Zeit mal wieder in Kückis Pub einzukehren, doch dort ist heute
am Sonntag kein Platz mehr zu bekommen, es ist alles ausgebucht. Der Freundliche Gastgeber, Herr ...
telefoniert, während wir unser Zimmer beziehen, und organisiert uns einen Tisch im Europahof, so daß
unser Abendessen gesichert ist.
Nach der obligatorischen Dusche haben wir noch etwas Zeit bis zum Abendessen, so daß wir uns
noch ein wenig im Swakopmund umsehen. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang finden wir uns an der
Seepromenade ein. Die Sonne ist kurz davor im Meer zu versinken; es weht ein kühler Wind vom Meer
herüber.
In Erwartung eines grandiosen Sonnenunterganges harren wir aus - die Sonne versinkt im Dunst
ohne uns das Schauspiel des legendären grünen Blitzes zu bieten. Wir schlendern danach noch am
NATMIRC, dem Ozeanografischen Institu Namibias, vorbei und werfen einen Blick in die Auslagen des
verschiedenen Geschäfte, unter anderem des Kaufhauses Woermann/Brock.
Das Abendessen im Europahof war dann , wie erwartet sehr lekker. Das einzige was uns hier störte waren
die vielen Gäste. Am Nebentisch saß eine Gruppe Holländerinnen und Holländer, die sich sehr
lautstark miteinander unterhalten mußten. Unser einziger Trost war, daß keine Östereicher anwesend waren
(siehe Slowenien 2002)...
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