Heute geht es früh los in Richtung Sesriem und in die Dünenlandschaft bis Sossusvlei. Je nach Wunsch wird die längste Zeit des Tages dort verbracht und geht es dann wieder zurück auf die Gästefarm. Übernachtung in Zimmern wie am Vortage.
Um das warme Licht der Morgensonnen zum Fotografieren in der Namib nutzen zu können, heißt es früh
aufzustehen. Darum klingelt der Wecker an diesem Tag auch schon um 5:30 Uhr. Wir frühstücken um 6 Uhr
und brechen eine viertel Stunde später auf zu unserer nächsten Exkursion.
Auf dem Weg zum Sossusvlei sehen wir endlich einen Oryx-Bullen. Wir lassen uns von ihm allerdings nicht
aufhalten und eilen einem der vielen Highlights dieser Tour entgegen. Über der Pad liegt ein leichter
Staubschleier, der von einem vorausfahrenden Fahrzeug verursacht wurde.
Kurz vor der Sossusvlei Lodge bereiten sich zwei Heißluftballons auf ihren Flug in Richtung Sossusvlei
vor. Da die Thermik durch die zunehmende Wärme des Tages schnell zusammenbricht, müssen auch die
Ballonfahrer sehr früh starten.
Dutzende Fahrzeuge sind auf dem Weg zum Sossusvlei. Die asphaltierte Straße ist in einem jämmerlichen
Zustand. Kaum vorstellbar, daß sich hier einige Wagemutige mit normalen PKW auf die Reise gemacht haben.
Bis zum Sossusvlei sind es von der Eingangskontrolle etwas mehr als 70 Kilometer. Die Fahrt bis zum Vlei
vergeht jedoch wie im Fluge. Links und rechts von der Straße türmen sich riesige Dünen auf. Während ihre
Sonnenseite Blutrot und Orange in der Morgensonne leuchten, wirken die Schattenpartien beinahe Schwarz.
Zu beiden Seiten des Weges entdecken wir Springböcke und Oryx Antilopen. An der wohl am meisten fotografierten
Düne, der Düne 45 haben es sich einige Reisegruppen gemütlich gemacht und frühstücken in dieser wunderbaren
Kulisse.
Wenig später schieben auch wir einen kurzen Halt ein, um die ersten Fotos zu schießen. Das Morgenlicht
ist einfach zu schön, um nicht zu versuchen hiervon zu profitieren. Im Sand entdecken wir Spuren von
verschiedenen Krabbeltieren: einige künden von Dramen, die sich hier in der Nacht abgespielt haben
müssen. Sie erzählen Geschichten vom Fressen und gefressen werden.
Allzuviel Zeit können wir uns allerdings nicht lassen, da wir sonst befürchten müssen, einer Schlange von
Fahrzeugen mit trantütigen Fahrern folgen zu müssen.
Vom Ende der asphaltierten Straße bis zu den verschiedenen Vleis sind es nochmals fünf Kilometer, die es
allerdings in sich haben. Der Weg führt durch tiefen, feinen Sand und kann nur mit 4x4 Fahrzeugen befahren
werden. So mancher unerfahrene Autofahrer hat sich hier trotz Allradantrieb bereits festgefahren. Auch wir
beobachten an diesem Morgen einen derartigen Pechvogel, während Wilfried ihm Tips gibt, wie er wieder aus
dem Schlamassel herauskommt.
Das Dead Vlei ist vom Parkplatz etwa einen Kilometer entfernt. Der Weg dorthin ist mit weithin sichtbaren
Stangen markiert. Diese Hilfestellung ist an diesem Tag allerdings unnötig, da die Spuren von hunderten
Besuchern ein Verfehlen des Weges unwahrscheinlich werden lassen.
Auch hier finden sich die Spuren verschiedener Käfer, Mäuse und Eidechsen im Sand. Ein paar Schwarzkäffer
fliehen mit eiligen Schritten als wir uns ihnen nähern.
Leider sind wi an diesem Morgen nicht allein in diesem atemberaubenden Tal. Ein gutes Dutzend Touristen
streift durch das Vlei auf der Suche nach einem geeigneten Fotomotiv.
Hier im Kessel des Vleis stehen die traurigen Überreste von Akazien. In der Touristeninformation hatten wir
gelesen, daß das Alter der Stämme etwa 900 Jahre beträgt. In dem trockenen Klima der Namibwüste wurden die
Baumreste quasi konserviert.
Der Boden des Vleis ist steinhart und hat eine Struktur, die uns unwillkürlich an Pfannkucheneis erinnert.
Der Boden wirkt, als wäre er von fleißigen Handwerkern gefliest worden.
Trotz der vielen konkurierenden Hobbyfotografen gelingen uns einige schöne Fotos, so daß wir uns nach
einer knappen Stunde zum Umkehren entschließen. Am Wegesrend wachsen große Naras-Büsche. Einige blühen,
andere dagegen haben schon große saftige Melonen angesetzt. Diese Früchte werden von vielen Wüstenbewohnern
gern gefressen. Ihr saftiges Fruchtfleisch liefert vielen die nötige Flüssigkeit zum Überleben.
Im Schutz der Büsche haben sich Eidechsen und verschiedene Käfer versteckt. Auch possierliche Wüstenmäuse
haben hier Unterschlupf gefunden. Im Sand entdecken wir auch noch die Spuren eines Goldmulls. Wie es
bei Walt Disney so schön heißt: Die Wüste lebt...
Es ist nicht sehr weit bis hinüber zum Sossusvlei. Hierher gelangt das Wasser des Tsauchab in Jahren mit
reichlichen Niederschlägen, bis ihm hier der Weg zum Meer durch bis zu 300 Meter hohen Dünen versperrt
wird. Jetzt, im September ist das Vlei ausgetrocknet, der Boden spröde und rissig. Nur am Rand des Kessels
wachsen verschiedene Bäume und Sträucher. Die Kameldornbäume stehen in voller Blüte. Das saftige Grün der
Pflanzen bildet einen grandiosen Kontrast zu dem Gelborange der Dünen und dem Tiefblau des wolkenlosen
Himmels.
Die Sonne steht im Zenit und brennt erbarmungslos, der Schweiß fließt in Strömen. Wir würden
uns am Liebsten irgendwo im Schatten verkriechen, doch uns steht noch eine Besteigung des Kammes einer Düne
am Rande des Vleis bevor. Wir wollen uns den versprochenen Ausblick auf das Dünenmeer um uns herum nicht
entgehen lassen.
Der Aufstieg auf den Gipfel der Düne wird durch den weichen Sand zu einer Tortur. Aber wie sagt der Volksmund
treffend: Ohne Schweiß kein Preis.
Für die Mühen des Aufstieges werden wir dann aber auch reichlich entschädigt. Von hier oben habe wir einen
atemberaubenden Rundblick über die Namibwüste. Durch die trockene Luft, die Luftfeuchtigkeit beträgt hier
weniger als 10 Prozent, hat man hier einen ungetrübten Fernblick.
Während wir die Aussicht genießen werden wir angegriffen. Eine wütende Ameise versuchte unermüdlich in meinen
Wanderschuh zu beißen, oder wollte sie nur unseren Schatten ausnutzen? Wer weiß schon, was im Kopf einer Ameise
vorgeht. Nicht weit von uns liefert sich ein Schwarzkäferpärchen ein packendes Rennen den Dünenhang hinunter.
Das weitaus größere Weibchen ist hierbei wesentlich geschickter, als das vergleichsweise zierliche Männchen.
Die flinke Dame hinterläßt anmutig ihre Spuren im Sand, das Männchen dagegen überschlägt sich laufend beim
Versuch die Dame seines Herzens einzuholen.
Den Weg von der Düne hinunter ins Vlei kürzen wir dann etwas ab: mit großen Schritten laufen wir den steilen
Dünenhang hinab. Unsre Socken und Schuhe füllen sich mit heißem Sand. Das Mittag ruft. Wir beeilen uns, um
endlich wieder in den Schatten zu kommen, um zu trinken und uns zu stärken.
Auf dem Weg zum Parkplatz läuft uns eine flinke Eidechse über den Weg. Es grenzt schon beinahe an ein Wunder,
daß uns das nebenstehende Foto gelingt. Alle Wüstenbewohner haben Verhaltensweisen entwickelt, um sich vor
der Hitze zu schützen. Die Eidechsen schützen ihre Beine vor Verbrennungen, indem sie abwechselnd zwei Beine zum
Kühlen in die Luft halten.
Im Schatten einer Akazie machen wir es uns dann gemütlich. Beim Mittagsmahl sind wir umringt von
(neu)gierigen Kapspatzen, die sich in großer Zahl um uns herum einfinden. Auch ein Schildrabe beäugt
uns von seinem Platz auf einem entfernten Ast. Wilfried halbiert eine Plasteflasche und
improvisiert damit eine kleine Vogeltränke. Es ist ein Bild für die Götter, wie man so schön sagt.
An der neuen Wasserstelle herrscht ein Trubel, wie in einem Freibad. Die meisten trinken in langen Zügen,
doch andere nutzen das kühle Nass, um zu baden.
Auch die Krümel unseres Mittagsbrotes verschmähen die kleinen Federknäule nicht. Einige sind so zutraulich,
daß sie uns aus der Hand fressen.
Auf dem Rückweg vom Sossusvlei bemerken wir abseits der Piste eine Gruppe von drei Straußen. Argwönisch
belauern sie uns aus der Ferne. In dieser Umgebung hatten wir diese selten arroganten Vögel nicht vermutet,
so daß ich mich auf die Fotopirsch begebe. Ich versuche mich vorsichtig im Schutze von Büschen und
Sandhügeln anzuschleichen, doch ich werde von dem aufmerksamen Beobachter der Gruppe entdeckt. Es wurde
nichts mit einem Foto aus unmittelbarer Nähe, so daß ich mich enttäuscht zum Auto zurückbegebe.
Auf dem Weg entdecke ich unter eines Strauch eine ausgehöhlte Naras-Frucht. Offensichtlich hatten es
sich kleine Wüstenspringmäuse hier schmecken lassen.
An der sogenannten Düne 45 machen wir eine letzte Rast und ruhen uns im spärlichen Schatten zweier
Bäume aus. Es ist viel zu heiß rumzulaufen. Darum schießen wir noch ein paar Fotos und fahren weiter.
Im Sesriem Camp belohnen wir uns dann noch mit einem leckeren Eis und erstehen eine Postkarte für unsere
Kollegin Barbara.
In der Gästefarm zurück führt uns unser erster Weg unter die kalte Dusche. Es war unbedingt nötig die
durchgeschwitzten Klamotten zu wechseln, bevor wir uns dann um 18 Uhr auf den Weg machen, um einen
geeigneten Platz für den obligatorischen Sundowner zu suchen. Wir brechen in der Hoffnung auf, daß wir
vielleicht doch noch eine günstige Gelegenheit erwischen, Oryx-Antilopen zu beobachten.
Auf einem holprigen Offroad Trail fahren wir den Bergen entgegen. In der Ferne entdecken wir tatsächlich
hier und da ein paar Oryx sowie ein paar Springböcke. Die Fluchtdistanz der Tiere ist sehr groß, so daß
Wilfried vermutet daß auf dieser Farm gejagt wird. Das würde zumindest die ungewöhnliche Scheu der Tiere
erklären.
An der Farmgrenze, ganz in der Näher der Berge rasten wir, um unsere Getränke für den Sundowner
vorzubereiten. Es ist wieder mal eine wahre Wonne im warmen Licht der Abendsonne die Seele baumeln zu
lassen. Während wir uns mit unseren Drinks beschäftigen, laufen in nicht allzu großer Entfernung 7 Oryx
Antilopen an uns vorbei. Das Licht war schon beinahe etwas zu schlecht zum Fotografieren, doch diese
Erinnerungen sind viel haltbarer, als jedes Foto.
Kurz nach dem Sonnenuntergang müssen wir auch schon aufbrechen, denn die Dämmerungsphase hier in diesen
Breiten ist sehr kurz und der Weg ist zu schlecht, um ihn beruhigt in der Dunkelheit befahren zu können.
Das Abendbrot war wie am Vortag sehr reichhaltig, und wie man hier sagt: lekker. Uns wurde Oryxragout mit
Kürbis und Kartoffelpüree mit diversen Gemüsesorten und Salaten serviert. Dazu gönnten wir uns noch zwei
kühle Biere und hatten dann auch die richtige Bettschwere.
Auch wenn dieser Tag, wie die Tage zuvor, wieder sehr erlebnisreich war, schlafen wir mit einem Gefühl der
Vorfreude ein.