20.09.2003 - Ein Tag in der Namibwüste

Heute geht es früh los in Richtung Sesriem und in die Dünenlandschaft bis Sossusvlei. Je nach Wunsch wird die längste Zeit des Tages dort verbracht und geht es dann wieder zurück auf die Gästefarm. Übernachtung in Zimmern wie am Vortage.

Morgendunst Um das warme Licht der Morgensonnen zum Fotografieren in der Namib nutzen zu können, heißt es früh aufzustehen. Darum klingelt der Wecker an diesem Tag auch schon um 5:30 Uhr. Wir frühstücken um 6 Uhr und brechen eine viertel Stunde später auf zu unserer nächsten Exkursion.

Heißluftballons in der Namib Auf dem Weg zum Sossusvlei sehen wir endlich einen Oryx-Bullen. Wir lassen uns von ihm allerdings nicht aufhalten und eilen einem der vielen Highlights dieser Tour entgegen. Über der Pad liegt ein leichter Staubschleier, der von einem vorausfahrenden Fahrzeug verursacht wurde.

Kurz vor der Sossusvlei Lodge bereiten sich zwei Heißluftballons auf ihren Flug in Richtung Sossusvlei vor. Da die Thermik durch die zunehmende Wärme des Tages schnell zusammenbricht, müssen auch die Ballonfahrer sehr früh starten.

Morgen in der Namib Dutzende Fahrzeuge sind auf dem Weg zum Sossusvlei. Die asphaltierte Straße ist in einem jämmerlichen Zustand. Kaum vorstellbar, daß sich hier einige Wagemutige mit normalen PKW auf die Reise gemacht haben. Bis zum Sossusvlei sind es von der Eingangskontrolle etwas mehr als 70 Kilometer. Die Fahrt bis zum Vlei vergeht jedoch wie im Fluge. Links und rechts von der Straße türmen sich riesige Dünen auf. Während ihre Sonnenseite Blutrot und Orange in der Morgensonne leuchten, wirken die Schattenpartien beinahe Schwarz.

Zu beiden Seiten des Weges entdecken wir Springböcke und Oryx Antilopen. An der wohl am meisten fotografierten Düne, der Düne 45 haben es sich einige Reisegruppen gemütlich gemacht und frühstücken in dieser wunderbaren Kulisse.

Spuren im Sand Wenig später schieben auch wir einen kurzen Halt ein, um die ersten Fotos zu schießen. Das Morgenlicht ist einfach zu schön, um nicht zu versuchen hiervon zu profitieren. Im Sand entdecken wir Spuren von verschiedenen Krabbeltieren: einige künden von Dramen, die sich hier in der Nacht abgespielt haben müssen. Sie erzählen Geschichten vom Fressen und gefressen werden.

Allzuviel Zeit können wir uns allerdings nicht lassen, da wir sonst befürchten müssen, einer Schlange von Fahrzeugen mit trantütigen Fahrern folgen zu müssen.

Sandige Piste Vom Ende der asphaltierten Straße bis zu den verschiedenen Vleis sind es nochmals fünf Kilometer, die es allerdings in sich haben. Der Weg führt durch tiefen, feinen Sand und kann nur mit 4x4 Fahrzeugen befahren werden. So mancher unerfahrene Autofahrer hat sich hier trotz Allradantrieb bereits festgefahren. Auch wir beobachten an diesem Morgen einen derartigen Pechvogel, während Wilfried ihm Tips gibt, wie er wieder aus dem Schlamassel herauskommt.

Im Dead Vlei Das Dead Vlei ist vom Parkplatz etwa einen Kilometer entfernt. Der Weg dorthin ist mit weithin sichtbaren Stangen markiert. Diese Hilfestellung ist an diesem Tag allerdings unnötig, da die Spuren von hunderten Besuchern ein Verfehlen des Weges unwahrscheinlich werden lassen.

Auch hier finden sich die Spuren verschiedener Käfer, Mäuse und Eidechsen im Sand. Ein paar Schwarzkäffer fliehen mit eiligen Schritten als wir uns ihnen nähern.

Im Dead Vlei Leider sind wi an diesem Morgen nicht allein in diesem atemberaubenden Tal. Ein gutes Dutzend Touristen streift durch das Vlei auf der Suche nach einem geeigneten Fotomotiv. Hier im Kessel des Vleis stehen die traurigen Überreste von Akazien. In der Touristeninformation hatten wir gelesen, daß das Alter der Stämme etwa 900 Jahre beträgt. In dem trockenen Klima der Namibwüste wurden die Baumreste quasi konserviert.

Der Boden des Vleis ist steinhart und hat eine Struktur, die uns unwillkürlich an Pfannkucheneis erinnert. Der Boden wirkt, als wäre er von fleißigen Handwerkern gefliest worden.

Blüten des Naras Busches Trotz der vielen konkurierenden Hobbyfotografen gelingen uns einige schöne Fotos, so daß wir uns nach einer knappen Stunde zum Umkehren entschließen. Am Wegesrend wachsen große Naras-Büsche. Einige blühen, andere dagegen haben schon große saftige Melonen angesetzt. Diese Früchte werden von vielen Wüstenbewohnern gern gefressen. Ihr saftiges Fruchtfleisch liefert vielen die nötige Flüssigkeit zum Überleben. Im Schutz der Büsche haben sich Eidechsen und verschiedene Käfer versteckt. Auch possierliche Wüstenmäuse haben hier Unterschlupf gefunden. Im Sand entdecken wir auch noch die Spuren eines Goldmulls. Wie es bei Walt Disney so schön heißt: Die Wüste lebt...

Es ist nicht sehr weit bis hinüber zum Sossusvlei. Hierher gelangt das Wasser des Tsauchab in Jahren mit reichlichen Niederschlägen, bis ihm hier der Weg zum Meer durch bis zu 300 Meter hohen Dünen versperrt wird. Jetzt, im September ist das Vlei ausgetrocknet, der Boden spröde und rissig. Nur am Rand des Kessels wachsen verschiedene Bäume und Sträucher. Die Kameldornbäume stehen in voller Blüte. Das saftige Grün der Pflanzen bildet einen grandiosen Kontrast zu dem Gelborange der Dünen und dem Tiefblau des wolkenlosen Himmels.

Die Sonne steht im Zenit und brennt erbarmungslos, der Schweiß fließt in Strömen. Wir würden uns am Liebsten irgendwo im Schatten verkriechen, doch uns steht noch eine Besteigung des Kammes einer Düne am Rande des Vleis bevor. Wir wollen uns den versprochenen Ausblick auf das Dünenmeer um uns herum nicht entgehen lassen.

Der Aufstieg auf den Gipfel der Düne wird durch den weichen Sand zu einer Tortur. Aber wie sagt der Volksmund treffend: Ohne Schweiß kein Preis.

Für die Mühen des Aufstieges werden wir dann aber auch reichlich entschädigt. Von hier oben habe wir einen atemberaubenden Rundblick über die Namibwüste. Durch die trockene Luft, die Luftfeuchtigkeit beträgt hier weniger als 10 Prozent, hat man hier einen ungetrübten Fernblick.

Während wir die Aussicht genießen werden wir angegriffen. Eine wütende Ameise versuchte unermüdlich in meinen Wanderschuh zu beißen, oder wollte sie nur unseren Schatten ausnutzen? Wer weiß schon, was im Kopf einer Ameise vorgeht. Nicht weit von uns liefert sich ein Schwarzkäferpärchen ein packendes Rennen den Dünenhang hinunter. Das weitaus größere Weibchen ist hierbei wesentlich geschickter, als das vergleichsweise zierliche Männchen. Die flinke Dame hinterläßt anmutig ihre Spuren im Sand, das Männchen dagegen überschlägt sich laufend beim Versuch die Dame seines Herzens einzuholen.

Den Weg von der Düne hinunter ins Vlei kürzen wir dann etwas ab: mit großen Schritten laufen wir den steilen Dünenhang hinab. Unsre Socken und Schuhe füllen sich mit heißem Sand. Das Mittag ruft. Wir beeilen uns, um endlich wieder in den Schatten zu kommen, um zu trinken und uns zu stärken.

Auf dem Weg zum Parkplatz läuft uns eine flinke Eidechse über den Weg. Es grenzt schon beinahe an ein Wunder, daß uns das nebenstehende Foto gelingt. Alle Wüstenbewohner haben Verhaltensweisen entwickelt, um sich vor der Hitze zu schützen. Die Eidechsen schützen ihre Beine vor Verbrennungen, indem sie abwechselnd zwei Beine zum Kühlen in die Luft halten.

Im Schatten einer Akazie machen wir es uns dann gemütlich. Beim Mittagsmahl sind wir umringt von (neu)gierigen Kapspatzen, die sich in großer Zahl um uns herum einfinden. Auch ein Schildrabe beäugt uns von seinem Platz auf einem entfernten Ast. Wilfried halbiert eine Plasteflasche und improvisiert damit eine kleine Vogeltränke. Es ist ein Bild für die Götter, wie man so schön sagt. An der neuen Wasserstelle herrscht ein Trubel, wie in einem Freibad. Die meisten trinken in langen Zügen, doch andere nutzen das kühle Nass, um zu baden. Auch die Krümel unseres Mittagsbrotes verschmähen die kleinen Federknäule nicht. Einige sind so zutraulich, daß sie uns aus der Hand fressen.

Auf dem Rückweg vom Sossusvlei bemerken wir abseits der Piste eine Gruppe von drei Straußen. Argwönisch belauern sie uns aus der Ferne. In dieser Umgebung hatten wir diese selten arroganten Vögel nicht vermutet, so daß ich mich auf die Fotopirsch begebe. Ich versuche mich vorsichtig im Schutze von Büschen und Sandhügeln anzuschleichen, doch ich werde von dem aufmerksamen Beobachter der Gruppe entdeckt. Es wurde nichts mit einem Foto aus unmittelbarer Nähe, so daß ich mich enttäuscht zum Auto zurückbegebe.

Auf dem Weg entdecke ich unter eines Strauch eine ausgehöhlte Naras-Frucht. Offensichtlich hatten es sich kleine Wüstenspringmäuse hier schmecken lassen.

An der sogenannten Düne 45 machen wir eine letzte Rast und ruhen uns im spärlichen Schatten zweier Bäume aus. Es ist viel zu heiß rumzulaufen. Darum schießen wir noch ein paar Fotos und fahren weiter. Im Sesriem Camp belohnen wir uns dann noch mit einem leckeren Eis und erstehen eine Postkarte für unsere Kollegin Barbara.

In der Gästefarm zurück führt uns unser erster Weg unter die kalte Dusche. Es war unbedingt nötig die durchgeschwitzten Klamotten zu wechseln, bevor wir uns dann um 18 Uhr auf den Weg machen, um einen geeigneten Platz für den obligatorischen Sundowner zu suchen. Wir brechen in der Hoffnung auf, daß wir vielleicht doch noch eine günstige Gelegenheit erwischen, Oryx-Antilopen zu beobachten.

Auf einem holprigen Offroad Trail fahren wir den Bergen entgegen. In der Ferne entdecken wir tatsächlich hier und da ein paar Oryx sowie ein paar Springböcke. Die Fluchtdistanz der Tiere ist sehr groß, so daß Wilfried vermutet daß auf dieser Farm gejagt wird. Das würde zumindest die ungewöhnliche Scheu der Tiere erklären.

An der Farmgrenze, ganz in der Näher der Berge rasten wir, um unsere Getränke für den Sundowner vorzubereiten. Es ist wieder mal eine wahre Wonne im warmen Licht der Abendsonne die Seele baumeln zu lassen. Während wir uns mit unseren Drinks beschäftigen, laufen in nicht allzu großer Entfernung 7 Oryx Antilopen an uns vorbei. Das Licht war schon beinahe etwas zu schlecht zum Fotografieren, doch diese Erinnerungen sind viel haltbarer, als jedes Foto. Kurz nach dem Sonnenuntergang müssen wir auch schon aufbrechen, denn die Dämmerungsphase hier in diesen Breiten ist sehr kurz und der Weg ist zu schlecht, um ihn beruhigt in der Dunkelheit befahren zu können.

Das Abendbrot war wie am Vortag sehr reichhaltig, und wie man hier sagt: lekker. Uns wurde Oryxragout mit Kürbis und Kartoffelpüree mit diversen Gemüsesorten und Salaten serviert. Dazu gönnten wir uns noch zwei kühle Biere und hatten dann auch die richtige Bettschwere. Auch wenn dieser Tag, wie die Tage zuvor, wieder sehr erlebnisreich war, schlafen wir mit einem Gefühl der Vorfreude ein.