Heute ist eine Wanderung von 5 bis 6 Stunden in den Naukluft Bergen angesagt, die Landschaft ist faszinierend. Nachmittags ist Zeit zum Ruhen und sich auf das abendliche Lagerfeuer vor zu bereiten. Übernachtung in Zelten.
Der Wecker klingelt, es ist 6:45 Uhr. Wir mögen gar nicht aus dem Schlafsack kriechen, denn draußen ist
es lausig kalt. Nur widerwillig stehen wir auf. Wilfried und Jan sind schon längst auf den Beinen.
Auch wir begeben uns "ins Bad", um uns ein wenig frisch zu machen.
Als wir zurückkommen, dampft bereits das Kaffeewasser im Kessel. Es ist alles vorbereitet, so daß
wir gleich frühstücken können. Mit Ouma-Keks, Müsli und Kaffee stärken wir uns für die Wanderung.
Für den Weg bereitet sich jeder ein kleines Lunchpaket vor. Aus Sicherheitsgründen verstauen
wir unsere Koffer mit den Wertsachen im verschließbaren Trailer und begeben uns dann auf den Weg zum
Olive Trail.
Heute Morgen haben wir erfahren, wie wichtig es ist, alles Wertvolle gut zu sichern: Am Abend zuvor hatten
wir vergessen unseren Weinspender wegzuräumen - in der Nacht hatte offensichtlich einer der hier wohnenden
Paviane versucht an das kostbare Naß zu kommen. Glücklicherweise kannte er nicht den Dreh mit dem
Zapfhahn. So hat er, nachdem er den Weinschlauch halb aus dem Karton gezogen hatte, entnervt aufgegeben.
Es ist bereits 9 Uhr als wir uns auf den Weg machen. Die Sonne wärmt unsere durchgerfrorenen Knochen,
so daß wir unsere Fleecejacken im Landrover zurücklassen können. Mit leichtem Gepäck machen wir uns
auf den Weg. Es geht stetig bergan. Der Weg ist nicht allzu schwierig und dazu noch recht gut gekennzeichnet.
In kurzen Abständen entdecken wir weiße Schuhabdrücke als Wegmarkierung.
Wir sind noch nicht allzulange unterwegs, da entdecken wir auf der anderen Seite des Tales eine Gruppe von
vier Hartmann Bergzebras. Argwöhnisch beobachten Sie uns aus der Ferne und lassen uns nicht aus dem Auge.
Wie später auch, so haben wir an diesem Morgen Glück. Wilfried war in diesem Jahr bereits viermal mit
verschiedenen Wandergruppen in dieser Gegend und hatte nicht ein einziges mal das Glück diese scheuen
Vierbeiner beobachten zu können. Leider ist unsere Fotoausrüstung nicht sehr leistungsfähig, ein
200er Zoomobjektiv ermöglicht gerade mal ein Zebrasuchbild aus dieser Entfernung.
Nach einer guten Stunde erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung. Von dem Bergrücken den
wir in der Mittagssonne erreichen, hat man einen wunderbaren Blick über das weite Land. In der Ferne
grüßen die malerischen Zarisberge.
Hier oben entdecken wir ein riesiges Siedelwebervogelnest. Es wirkt wie ausgestorben. Wahrscheinlich
habe ich die Vögel gesört, so daß sie sich tief im Innern ihrer Behausung versteckt haben.
Trotz der hochstehenden Sonne sind die Temperaturen angenehm, denn es weht ein kühlender Wind. Wir gönnen
uns ein kleines Päuschen, trinken, um nicht zu dehydrieren und dann machen wir uns wieder auf den Weg.
Es geht ab sofort stetig bergab.
Das Gelände hier ist unheimlich abwechslungsreich. Ständig entdecken wir neue Gesteinsformationen:
Tonschiefer, Sedimente, vulkanisches Gestein, Schwarzkalkstein. Atemberaubende Felsabbrüche und steile
Felswände ziehen uns in ihren Bann. Und überall entdecken wir uns bisher meist unbekannte Pflanzen:
Köcherbäume, Olivenbäume und Euphorbien (Euphorbia virosa) klammern sich an den harten Felsen.
Auch die heimische Fauna hat hier einige ihrer Vertreter zusammengerufen. Wir können keinen Schritt
machen, ohne von Klippschliefern und Schlieferratten beobachtet zu werden. An den Spuren im Sand können
wir erkennen, daß man hier unten im Tal mit etwas Glück auch Zebras begegnen kann.
Hier unten in der Klamm weht kaum ein Lüftchen, doch trotzdem halten wir die Mittagtemperaturen hier aus,
denn die steilen Felswände spenden uns ausreichend Schatten. Auf halbem Wege zurück zum Ausgangspunkt unserer
Wanderung machen wir eine kurze Rast. Zeit für uns den Magen zu füllen und Gelegenheit sich in Ruhe ein wenig
umzuschauen. Eine Alte Weisheit besagt, daß die Qualität und Quantität von Beobachtungen indirekt proportional
zur eigenen Geschwindigkeit sind. Übersetzt bedeutet das: je langsamer man sich durch seine Umwelt bewegt, desto
mehr bekommt man zu sehen.
Diese Erfahrung machen auch wir während dieser Rast. Während wir im Schatten eines Felsvorsprunges unser
Lunchpaket verzehren, entdecken wir auf dem gegenüberliegenden Felswand einen Pavian beim Mahl an einer
Euphorbia Virosa. Es war zu erkennen, daß der Pavian sich einen Ast der Euphorbie abgerissen hatte um an das
Mark der Pflanze zu kommen.
Eigentlich habe ich gelesen, und Wilfried bestätigte mir das auch, daß die Euphorbia
Virosa die giftigste Pflanze in Namibia ist und daß lediglich Nashörner dieses giftige Gewächs gefahrlos
vertilgen können.
Leider hatten wir nicht die Zeit und auch nicht die technische Ausrüstung, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Hier unten in der Klamm begreifen wir dann auch endlich, warum dieser Wanderpfad den Namen Olivetrail
trägt: dutzende Olivenbäume stehen hier und graben ihre Wurzeln tief in die Felsspalten auf der Suche
nach Wasser, klammern sich fest um Felsbrocken, um Halt zu finden.
Den Kampf der Pflanzen gegen die unwirtliche Natur kann man auch an der Gestalt der Köcherbäume erkennen,
die sich schlangengleich dem Licht entgegenwinden.
Während unseres Abstiegs werden wir von mehreren Paviangruppen beobachtet. Sie begleiten uns in sicherem
Abstand auf den Felsen über unseren Köpfen. Die Felsen rücken immer näher zusammen. An einer Stelle sind
sie vielleicht noch zwei Meter voneinander entfernt. Hier hat sich in einer Senke Wasser angesammelt.
Die Spuren verraten, daß dieser Ort den verschiedensten Tieren als Tränke dient. An einer Seite sind
Ketten befestigt an denen man sich trockenen Fußes an dem Wasserloch vorbeihangeln kann. Während sich die
die Anderen auf die andere Seite begeben, höre ich über mir ein eigenartiges Geräusch. Über unseren Köpfen
hatten es sich einige Paviandamen mit ihren Kindern gemütlich gemacht und beobachteten amüsiert unsere
Bemühungen beim Klettern.
In einer Nische auf der anderen Seite des Wasserloches entdecken wir die Leiche einer Südafrikanischen
Wildkatze, die offensichtlich beim Verzehr eines Klippschliefers das "Zeitliche gesegtnet hatte" - ein
trauriger Anblick!
Jetzt haben wir fast das Ende unseres Weges erreicht. Hier endlich entdecken wir noch die lange gesuchten
Klippspringer und, wie soll es auch anders sein, Klippschliefer. Deren Behausungen kann man schon von weitem
an den weißen Urinstrifen auf den Felsen entdecken. Dieser Urin sol ein sehr wertvoller Saft sein - in der
heimischen Naturmedizin wird er als Medikament gegen verschiedene Krankheiten verwendet.
Nach beinahe fünf Stunden erreichen wir den Parkplatz. Auf der kurzen Fahrt zum Camp laufen uns noch ein
paar Kudus über den Weg, sie schienen hier zu wohnen, denn bereits am Tag zuvor haben wir sie in dieser
Gegend gesehen.
Während Wilfried das Abendessen vorbereitet, machen wir uns noch einmal auf den Weg zum sogenannten
Waterkloof. An den Wasserstellen hier im Flußbett soll man mit etwas Fortune Zebras und ähnliche
Vierbeiner beobachten können. Die einzigen Lebewesen, die wir an diesem Abend hier beobachtet haben, waren
einige Zweibeiner, die sich in einer uns fremden Sprache unterhalten haben - sehr exotisch.
Da wir noch etwas Zeit bis zum Essen haben, vertreiben wir uns die Langeweile durch ein Wettschießen auf
eine Coladose mit einer Steinschleuder, die sich Wilfried zum Zwecke der Pavianabwehr gekauft hatte.
Wir Herren mußten beschämt eingestehen, daß die Frauen uns in manchen Dingen überlegen sind, so auch im
Schießen - kaum zu glauben, aber wahr. Mit einigen Schüssen in die Richtung eines vorwitzigen Pavians in unserer
Nähe testen wir die Wirkungsweise des Steinwerfers. Der Erfolg war nur mäßig. Gemächlich schlenderte der
ungebetene Gast ein paar Meter weiter, beinahe so, als wenn ihn das alles gar nichts angehen würde.
Das Abendessen war dann ein weiterer Höhepunkt dieses Tages. Es wurde gegrillt: leckere Würstchen,
Fleisch. Dazu gab es Kartoffeln und eine besondere Spezialität, köstlicher Butternutkürbis. Das
Ganze wurde abgerundet mit Knoblauchbutter und, wie sollte es anders sein, gekrönt von köstlichem
südafrikansichen Rotwein.
Zu fortgeschrittener Stunde hatten wir dann noch einen scheuen Gast. Im Licht einer Taschenlampe sehen
wir eine Ginsterkatze. Die Reste des Abendessens, die wir auf einem Pappteller stehengelassen haben, waren
dann auch am nächsten Morgen verschwunden.
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