16.09.2003 - Ein Tag in Windhoek

Ankunft und Übernachtung in Windhoek, mit eventueller Stadtrundfahrt, abhängig von der Ankunftszeit des Fliegers und der zur Verfügung stehenden Zeit. Übernachtung in einer Privat Pension...

Endlich haben wir den langen Flug hinter uns gebracht, sind froh uns mal wieder bewegen zu können. Wie angedroht, regnet es als wir aus dem Flugzeug steigen.

Bei der Einreise bilden sich die üblichen "Wartegemeinschaften" - es muss eben alles seine Ordnung haben. Nach einer guten halben Stunde haben wir die Formalitäten hinter uns gebracht, von Gepäckkontrollen blieben wir glücklicherweise verschont. Die Wartezeit am Gepäckband strapaziert unsere Geduld dann ein letztes mal, bevor wir dann endlich unser Gepäck in den Händen halten. Beinahe hätten wir uns einen falschen Koffer genommen, da hatte doch jemand den gleichen Koffer wie wir erworben, vermutlich sogar bei Ebay...

In der Eingangshalle werden wir bereits von Wilfried, unserem Tourguide, erwartet. Er hat sich in den drei Jahren seit unserer letzten gemeinsamen Fahrt nicht verändert.

Jetzt kann der Urlaub beginnen - endlich!

Einheimische auf vier Beinen Schnell ist unser Gepäck im Landrover verstaut und dann geht es los ins Privatquartier. Wir werden von der Hausherrin freundlich empfangen. Auch die Hunde des Hauses sind sehr aufgeschlossen und begrüßen uns schwanzwedelnd. Unser Zimmer ist sehr geräumig, Fernseher und Dusche sind vorhanden- im Kühlschrank stehen kühle Getränke bereit. Bevor wir unsere Sachen auspacken können, erhalten wir ein kleines Früstück bestehend aus Toast, Spiegelei und heißem Kaffee. Noch satt vom Frühstück im Flieger naschen wir ein bischen und muntern uns mit dem Kaffee auf.

Regen über Windhoek Nach dem Frühstück führt uns unser erster Weg ins Zentrum zum Geldautomaten. Mit dem nötigen Bargeld ausgestattet, kaufen wir im Bottle Store Rotwein für die Reise: Drosty Hof, Claret Select im Fünfliter-Karton.

Den Rest des Vormittages verbringen wir mit Sight Seeing. Wilfried fährt mit uns zunächst auf eine Anhöhe und zeigt uns von hier die wichtigsten Gebäude der Stadt. Vertieft in den Anblick und gefesselt von Wilfrieds Erklärungen bemerken wir nicht, was hinter unserem Rücken am Landrover passiert. Unbemerkt hat sich ein Einheimischer an das Fahrzeug geschlichen und eine Tasche entwendet. Trotz sofortiger Verfolgung zu Fuß und mit dem Auto entwischt uns der Spitzbube mit seiner Beute. Glücklicherweise war der Verlust nicht allzu tragisch: eine Tafel Schokolade und eine unbeschriebene Ansichtskarte waren sicher nicht die erhoffte Beute des kleinen Ganoven...

Reiterstandbild Etwas sauer waren wir aber trotzdem, als wir uns wieder zurück in die Stadt begaben. Wir statten dem Parlamentsgebäude, der Christuskirche und dem deutchen Reiterstandbild einen kurzen Besuch ab. Dabei machen wir Bekanntschaft mit den Sicherheitsbehörden in Namibia. An diesem Tag traf sich das Parlament in der Hauptstadt. Überall treffen wir auf Polizeistreifen, schwer bewaffnete Soldaten mit Granatwerfern und Maschinengewehren. Ein beklemmendes Gefühl nicht vermeiden - irgendwie fühlte man sich an längst vergangene DDR-Zeiten erinnert. Eine Führung, die sich vor dem eigenen Volk schützen muß, liefert immer genügend Gesprächstoff und Gelegenheit nachzudenken...

Unser Mittagsmahl nehmen wir in einer Art Baumschule mit angeschlossenem Gartencafe ein. Es gibt einen leckeren Salat und etwas ebenso schmackhaftes aus der Sandwich-Ecke mit getrockneten Tomaten - gerade das Richtige für Bewegungsarme Flugreisende...

Zurück im Quartier legen wir uns erst einmal zwei Stunden aufs Ohr - der lange Flug hat doch ganz schön geschlaucht.

Ausgeruht und voller Tatendurst machen wir uns am frühen Nachmittag erneut auf den Weg nach Windhoek. Auf meinen Wunsch fährt Wilfried mit uns nach Katutura, einem der Wohngebiete für die schwarze Mehrheit der Stadt. Hier in diesem Stadteil entdecken wir neben festen, gemauerten Häuschen auch die armseligsten Wellblechhütten und Notunterkünfte. Die Trostlosigkeit wird durch den ständigen Regen noch unterstrichen. Es ist keine Gegend für Touristen und deshalb machen wir uns auch schleunigst wieder auf den Weg zurück ins Stadtzentrum.

Wir fahren am Eisenbahnmuseum vorbei. Es wird zwar gerade geschlossen, doch da Wilfried den Herrn zu kennen scheint, erhalten wir eine halbstündige Führung durch dieses kleine, aber sehr interessante Museum. Man wird immer wieder in Erstaunen versetzt, wenn man sich mit der Geschichte des Landes beschäftigt: unter unsäglich schweren Bedingungen wurden wahre Meisterleistungen vollbracht.

Auf der Suche nach den ultimativen Urlaubsmitbringseln statten wir dem "Namibia Craft Center" einen kurzen Besuch ab. Die Preise sind hier eher auf gehobenem Niveau, das Angebot ist auch nicht schlecht, doch wir finden einfach nichts Geeignetes. Mit einer kleinen Schlange aus Balsaholz liebäugeln wir zwar, können uns aber nicht zum Kauf entschließen. Wir brechen unsere Suche ab und beschließen in unser Quartier zurückzukehren, um uns auf das Abendessen vorzubereiten.

Frisch geduscht und neu eingekleidet machen wir uns auf in die Kaiser Wilhelm, ähm Independence Avenue. Bei Gathemann ist ein Tisch auf der Terasse reserviert, allein der ständige Regen macht uns einen Strich durch die Rechnung, so daß wir die schöne Aussicht beim Essen nicht genießen können.

Die Kellnerin war eher mittelmäßig, es bereitete selbst Wilfried Schwierigkeiten das richtige Getränk zu bestellen. Über das Essen konnte man dann aber keinesfalls meckern: es war alles sehr lecker. Als Vorspeise gönnten wir uns einen vegetarischen Salat mit kandierten Apfelringen, Rucola, Nüssen. Alles fein abgeschmeckt mit Balsamico Essig. Die Hauptspeise bestand aus einem sehr feinen Oryx Steak auf browned onions. Mhhhmmm. Der köstliche Cabernet Sauvignon war dann das Sahnehäubchen auf dem Ganzen.

Bei der Bezahlung habe ich mich dann zu guter letzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Hier ist es üblichen zehn Prozent der Rechnungssumme als Trinkgeld (hier Tip genannt) zu geben, was ich dann auch großzügig nach oben aufrundete. Später, im Quartier zurückgekehrt, stellte ich dann fest, daß die 10% Tip bereits auf die Rechnugssumme aufgeschlagen waren...

Den Tag ließen wir dann vor unserem Zimmer bei einem Glas Rotwein im Kerzenschein ausklingen. Mal sehen, was uns der nächste Tag bringen wird.

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